„Urwaldtrip“ von Katja Spitzer ist wieder ein typischer Kunstanstifter Titel, mit originellen Zeichnungen und Inhalten. Die Illustrationen stammen teilweise von einer Reise durch Lateinamerika. Es ist eine Mischung aus Bilderbuch und Reisetagebuch für Kinder ab 8 Jahren.
„Urwaldtrip“ lebt sehr von der Atmosphäre, die es kreiert: kräftige Buntstiftzeichnungen, tropische Farben, Affen, Pflanzen, Skizzen, Nachrichten und eine gewisse Sehnsucht nach Ferne.
Inhaltlich begleitet man den erwachsenen Murt, der Affenforscher werden möchte und schließlich in den Urwald reist, während seine Freundin zuhause bleibt und über Nachrichten und Zeichnungen an seinen Erlebnissen teilhat.
Animierend und lehrreich
Schon beim ersten Durchblättern fällt auf, wie lebendig und unmittelbar dieses Buch auf den Betrachter wirkt: Die Illustrationen haben nichts Glattes oder Perfektes, sondern wirken intuitiv gemalt.
Dabei wurde nicht mit Farbe gespart: Sattes Grün, tropische Pflanzen, bunte Affen zwischen Ästen schwingend – man hat schnell das Gefühl, mitten im Dschungel zu stehen.

Über die Illustrationen
Katja Spitzer hat Kunstgeschichte und Geschichte in Halle und Illustration in Leipzig studiert. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin.
Gerade für Menschen, die selbst zeichnen oder illustrieren, ist „Urwaldtrip“ besonders interessant: Katja Spitzers Stil wirkt frei, spontan und mutig. Die Bilder haben etwas Beobachtendes, beinahe Dokumentarisches, ohne dabei ihre poetische Wirkung zu verlieren.
Besonders schön ist, dass das Buch den Urwald nicht einach als exotische Kulisse benutzt, sondern es vermittelt echte Begeisterung für Tiere, Natur und das Reisen. Die Affen sind nie niedlich inszeniert, sondern wirken wie eigenständige Wesen in ihrer Umgebung.

Buntstifttechnik, Farbwirkung und Skizzencharakter
Der Stil wirkt auf den ersten Blick erstaunlich schlicht und kindlich: Figuren mit vereinfachten Formen, lockere Linien, perspektivische Ungenauigkeiten, dazu diese sichtbar spontane Farbigkeit.
Die Zeichnungen versuchen einfach gar nicht, technisch perfekt oder akademisch korrekt zu sein. Stattdessen transportieren sie eine unmittelbare Wahrnehmung: Schnelle Buntstiftlinien, überlagerte Farben, offene Flächen, teilweise bewusst unfertige Konturen. Dadurch entsteht etwas sehr Lebendiges, das man bei hochpolierten digitalen Illustrationen oft vermisst.

Der Urwald erscheint nicht als realistisches Naturabbild, sondern als emotionale Farberfahrung. Intensives Blattgrün trifft auf warme Gelb-, Rot- und Türkistöne, manchmal fast chaotisch nebeneinander gesetzt.
Die Farben werden dabei selten „sauber ausgemalt“, sondern eher geschichtet, gekritzelt, überzeichnet – eben so, wie Kinder tatsächlich Farbe erleben: direkt, intuitiv und ohne Angst vor falschen Kombinationen. Erwachsene verlieren diese Freiheit oft irgendwann wieder. Oder sie trauen sich nicht mehr, so zu malen – schade!

Das ist wahrscheinlich der Punkt, der viele beim Betrachten moderner Illustration überrascht: IllustratorInnen dürfen heute bewusst wieder reduzierter, freier, intuitiver oder „kindlicher“ arbeiten.

Lange galt technische Perfektion als wichtigstes Qualitätsmerkmal. Inzwischen schätzen viele Verlage und Kunstschaffende aber gerade den persönlichen Strich, das Unperfekte und die sichtbare Handschrift.
Eine Illustration muss heute nicht mehr beweisen, dass jemand anatomisch perfekt zeichnen kann. Viel wichtiger ist häufig Atmosphäre, Wiedererkennbarkeit und Emotionalität.

Katja Spitzers Bilder wirken deshalb nicht kindlich im Sinne von „einfach“, sondern eher mutig reduziert. Sie traut sich, Dinge wegzulassen, schief stehen zu lassen oder Linien sichtbar werden zu lassen.
Für alle Leser, die selbst hobbymäßig zeichnen und malen sind diese Punkte ganz wichtig! Man muss sich nicht seinen persönlichen Stil abschleifen und versuchen fotorealistisch zu zeichnen und zu malen, man darf seinen eigenen, gerne auch kindlichen Stil perfektionieren. Früher fand man das noch am ehesten in der naiven Malerei, aber da gab es nicht diese Vielfalt, die wir heute in den modernen Illustrationen haben.

Bilderbuch für Inspiration und Naturnähe
„Urwaldtrip“ ist weniger ein klassisches Bilderbuch zum schnellen Vorlesen, sondern eher ein Buch zum langsamen Anschauen, Entdecken und Inspirierenlassen. Gerade Menschen, die Skizzenbücher, Naturillustration oder Reisezeichnungen lieben, dürften daran Freude haben.

