Es gibt Menschen, die irgendwann anfangen zu zeichnen, und es gibt Menschen, die nie damit aufgehört haben. Wenn du zu Letzteren gehörst, kennst du dieses Gefühl: Du sitzt in der Schule, im Bus, im Café, und während andere ihre Gedanken sortieren, sortierst du Linien.
Du zeichnest, ohne darüber nachzudenken, und manchmal fragst du dich, ob dieses ständige Kritzeln vielleicht mehr sein könnte als ein Zeitvertreib. Ob daraus ein Beruf werden kann, ein Weg, eine Zukunft? Ja, das kann es, natürlich!
Illustration ist ein Blick auf die Welt – und eine Art, sie zu erzählen
Wer zeichnet, beobachtet anders: Du siehst Formen, wo andere eine Baumreihe sehen. Du bemerkst Farben, die andere übersehen. Du entdeckst in Alltagsmomenten Kompositionen von Bildmotiven und freust dich darüber! Du denkst in Bildern, selbst wenn du sprichst. Illustration ist genau das: eine Art, die Welt zu filtern und sie dann so zurückzugeben, dass andere sie fühlen können.
Diese Fähigkeit wird an mehr Orten gebraucht, als man im ersten Moment denkt: In Kinderbüchern, die ganze Generationen prägen. In Magazinen, die komplexe Themen verständlich machen. In Games, die Welten erschaffen. In Filmen, die Figuren zum Leben erwecken. In Apps, die intuitiv wirken sollen. In wissenschaftlichen Publikationen, die Klarheit brauchen. Illustration ist überall — und sie ist lebendig.
Braucht man ein Studium? Nicht zwingend
Viele junge Zeichner/innen glauben, dass man unbedingt an eine Kunsthochschule muss, um ernst genommen zu werden. Die Wahrheit ist viel entspannter: Ein Studium kann helfen, aber es ist kein Eintrittsticket in die Branche.
Ein Studium gibt dir Struktur, Feedback, Austausch, manchmal auch Kontakte. Es ist ein Ort, an dem du dich ausprobieren kannst, ohne dass sofort jemand etwas von dir erwartet. Aber es ist nicht der einzige Weg.
Viele bekannte Illustrator/innen sind Autodidakten. Sie haben sich durch Tutorials, Bücher, Onlinekurse und unzählige Stunden Praxis entwickelt. Andere kommen aus völlig anderen Bereichen — Grafikdesign, Tattoo, Architektur, Animation — und bringen ihre Erfahrungen einfach mit.
Am Ende zählt nicht, wo du gelernt hast, sondern was du zeigen kannst.
Ein paar Illustrator/innen, die zeigen, wie unterschiedlich Wege aussehen können
Es hilft, sich Beispiele anzuschauen, nicht um sie zu kopieren, sondern um zu verstehen, wie vielfältig dieser Beruf ist.
Quentin Blake, der legendäre Illustrator von Roald Dahl, hat mit seinen wilden, vibrierenden Linien Generationen geprägt und zeigt, dass Perfektion nicht das Ziel ist, sondern Ausdruck.
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Loish (Lois van Baarle), eine der bekanntesten digitalen Illustratorinnen weltweit, ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie man sich als Autodidaktin einen eigenen Stil erarbeitet und eine riesige Community aufbaut, ohne jemals den Anspruch zu verlieren, weiterzulernen.
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Beatrice Blue erschafft Kinderbuchwelten voller Wärme und Magie, die aussehen, als würde man in eine Erinnerung eintauchen, die man nie hatte, aber sofort versteht.
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Pascal Campion fängt Licht ein wie kaum ein anderer; seine alltäglichen Szenen wirken wie kleine Filme, die man immer wieder ansehen möchte, weil sie so viel Ruhe ausstrahlen.
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Lisa Aisato zeigt, wie Illustration Emotionen tragen kann, die tiefer gehen als Worte, und wie atmosphärisch Bilder sein können, wenn man ihnen Raum gibt.
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Karlotta Freier, eine deutsche Illustratorin, die international arbeitet, beweist, dass Editorial Illustration verspielt, modern und gleichzeitig tiefgründig sein kann.
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Das Portfolio: weniger eine Sammlung, mehr ein Selbstporträt
Ein Portfolio ist kein Archiv deiner besten Arbeiten, sondern eher eine Art Selbstporträt. Es zeigt nicht nur, was du kannst, sondern auch, wie du denkst. Es ist ein Versprechen an zukünftige Auftraggeber: „So sieht es aus, wenn ihr mich bucht.“
Deshalb gehört hinein, was dich wirklich repräsentiert — nicht alles, was du je gezeichnet hast. Ein paar starke Arbeiten sagen mehr als zwanzig mittelmäßige. Und ein klarer Stil ist wertvoller als ein Sammelsurium aus Experimenten, die nicht zusammenpassen.
Wie bekommt man die ersten Aufträge?
Die ersten Schritte in die professionelle Illustration fühlen sich oft an wie ein Sprung ins kalte Wasser, aber eigentlich ist es eher ein vorsichtiges Hineingleiten.
Viele Illustrator/innen schreiben Verlage, Magazine oder Agenturen direkt an — freundlich, kurz, professionell. Ein Link zum Portfolio reicht. Andere posten ihre Arbeiten auf Social Media und werden dort entdeckt. Manche gewinnen Wettbewerbe oder nehmen an Open Calls teil. Wieder andere finden eine Agentur, die sie vertritt und ihnen Türen öffnet, die sie allein vielleicht nicht gefunden hätten.
Es gibt keinen Königsweg, aber viele kleine Wege, die sich kreuzen.
Kann man davon leben? Ja — aber es ist ein Mosaik
Die meisten Illustrator/innen leben nicht von einer einzigen Einnahmequelle, sondern von einem Mix:
- Aufträge
- Lizenzen
- Prints und Shops
- Workshops
- Patreon oder Steady
- Kooperationen
Dieses Mosaik macht den Beruf flexibel — und manchmal auch herausfordernd — aber es sorgt dafür, dass du dir ein kreatives Leben bauen kannst, das zu dir passt.
Der wichtigste Punkt: Du musst nicht warten, bis du „bereit“ bist
Viele junge Zeichner/innen glauben, sie müssten erst perfekt sein, bevor sie sich zeigen dürfen. Aber Perfektion ist eine Illusion, und niemand fühlt sich am Anfang bereit. Nicht Loish, nicht Pascal Campion, nicht Lisa Aisato. Alle haben klein angefangen, mit Skizzen, die sie heute wahrscheinlich nicht mehr zeigen würden.
Man wird Illustrator/in, indem man zeichnet, zeigt, lernt, scheitert, weitermacht.
Der Weg entsteht beim Gehen — und beim Zeichnen. Ein einfacher und direkter Weg ist es tatsächlich, ein Kinderbuch zu illustrieren. Kinderbücher werden heute viel geschrieben, auch von der KI. Sie haben meist nicht viel Text, brauchen aber unbedingt animierende Bilder.
Mit so einem fertigen Buch hat man eine wunderbare Referenz in der Hand, auch dann, wenn das Buch noch nicht so erfolgreich ist.