Rezension: Malkasten der Meister. Farbkartenset vom Midas Verlag

Lerne die Welt der Farben wirklich kennen! Mit diesem „Malkasten“ hast du ein super Rüstzeug parat um deine künstlerischen Skills zu perfektionieren.

Tod, Gift, Gefahr – die Geschichte der Farben ist absolut spannend

Wusstest du, dass früher etliche Farben arsenhaltig und damit hochgiftig waren? Dass alleine das Herumhantieren, Anmischen und mit Farben Malen absolut gefährlich war?

Und es gibt noch mehr Spannendes und Bedrohliches über die Welt der Farben zu erfahren. Fangen wir doch einfach mit dem gruseligen Aspekt an und stellen dir einige der vor Jahrhunderten bis Jahrtausenden verwendeten „Urfarben“ vor, die du heute natürlich in keinem Malkasten mehr findest und auch nicht kaufen kannst.

Die Malerei war kein einfacher Beruf – abgesehen vom erforderlichen sehr hohen handwerklichen Geschick – setzten die Künstler auch noch ihre eigene Gesundheit und die ihrer Modelle auf’s Spiel.

Rezension: Malkasten der Meister. Farbkartenset vom Midas Verlag

Beispiele aus dem Kartenset:

  • Bleiweiß war ein Weiß, das seit der Antike verwendet wurde, mit hoher Deckkraft und glatter, geschmeidiger Konsistenz. Rembrandt und Vermeer nutzten es gerne um den Gemälden einen besonderen Glanz zu verleihen. Aber: Für das Gemälde „Symphony in White. The White Girl“ von James Mc Neill (1862), musste eine junge Frau sterben! Sie stand Modell und war dauerhaft den giftigen Dämpfen ausgesetzt.
  • Indischgelb, welches u.a. dem Gemälde von Vincent van Gogh „Sternennacht“ (1889) sein mondhelles Strahlen verlieh, wurde aus dem Urin von Kühen gewonnen, die nur die Blätter des Mangobaumes fressen durften.
  • Beinschwarz, ein tiefes, schönes ins Blaue reflektierende Schwarz, wurde aus verbrannten Tierknochen gewonnen.
  • Mumienbraun, zwischen Hellbraun und tiefem Schwarzbraun, wurde seit dem alten Ägypten tatsächlich aus zermahlenen Mumien hergestellt! Man nahm es bis ins 19. Jahrhundert wegen seines einzigartigen, warmen Brauntones.
  • Preussischblau, ein sattes Tiefblau, wurde aus einem Pottasche-Blut-Gemisch hergestellt.
  • Tyrischer Purpur, ein sattes Tiefviolett, wurde aus den Drüsen von Meereschnecken gewonnen. Die Schnecken wurden von Hand geerntet, dann die Schleimdrüsen entfernt und die Flüssigkeit getrocknet. Wegen der unangenehmen, aufwendigen Prozedur war das Pigment sehr selten und nahezu unbezahlbar, daher nur Königshäusern zugänglich.

Wie man sieht, hat Kunst wohl immer auch etwas mit „Blut, Schweiß und Tränen“ zu tun. Zum Glück kennt man heute andere Wege um schöne und haltbare Farben herzustellen.

Aber jetzt weißt du vielleicht, was die Faszination alter Gemälde ausmacht, ihre besondere Wirkung und die magische Wirkung der alten Farben.

Allerdings sind das jetzt die spektakulären, schockierenden und ekelerregenden Beispiele der Farbgewinnung. Aber auch die anderen früher verwendeten Farben und Pigmente hatten es einfach in sich.

Viele wurden sehr aufwendig und mühsam hergestellt und ihre Gewinnung sowie das Arbeiten damit war hochgradig gesundheitsgefährdend. Und nicht nur das: Die Farben blieben auch auf dem Blatt, im Buch und überall, wo sie aufgetragen wurden, giftig.

Der kleine Malkasten mit seiner historischen Reise zu den Anfängen der Kunst zeigt uns, dass Malerei früher wahrlich keine Spielerei war, sondern ein sehr ernsthaftes, hochgefährliches Geschäft.

Rezension: Malkasten der Meister. Farbkartenset vom Midas Verlag

Malkasten der Meister – ein Kartenset zum Lernen und Entdecken

Das hochwertig gearbeitete Farbkartenset kann man tatsächlich als „Malkasten“ ansehen, indem man mit den Karten eigene Farbkombinationen zusammenstellt, die Karten immer wieder mischt und welche zieht: Versuche doch einfach mal mit den gezogenen Farben ein Bild zu malen!

Das Set eignet sich auch für sehr fortgeschrittene Künstler, die die „Karten einfach noch mal neu mischen wollen“, also einen ganz neuen Ansatz für ihre Kunst finden.

Rezension: Malkasten der Meister. Farbkartenset vom Midas Verlag

Wusstest du, dass die Höhlenmalerei von 13.000 v. Chr. mit der Farbe roter Ocker erstellt wurde – dass diese lichtecht, beständig, ungiftig und äußerst haltbar war? Nur deshalb können wir diese urzeitlichen Malereien heute noch bewundern.

Wusstest du, dass Restauratoren heute noch mit dem giftigen Bleirot arbeiten um alte Originale so zu erhalten, wie sie der Künstler erschaffen hatte?

Von den giftigen Farben gibt es eine ganze Reihe: Zinnober enthält Quecksilber. Das rot-orange Realgar enthält Arsen. Auripigment nutzte man bereits im alten Ägypten um die Farbe Gold darzustellen. Es ist leuchtend gelb-orange, wird aus Arsensulfid gewonnen und bei seiner Handhabung, Lagerung und Verwendung ist äußerste Vorsicht geboten!

Neben dem Einblick in die Herstellung der Farben bekommst du einen ganz anderen Zugang zu den Werken alter Meister, die aus wenigen Mitteln Großartiges schafften. Die Frage, warum früher so dunkel gemalt wurde, erklärt sich von selbst. Weil man nicht wie heute einen bunten Farbtopf zur Verfügung hatte und die dunklen Farben eher verfügbar waren. Mehr darüber erfährst du auch im Kunstband: Rembrandt – Hoogstraten. Farbe und Illusion.

Der kleine „Malkasten“ von Kelly Grovier enthält auch noch eine sehr interessante Broschüre, in der die Paletten bekannter Künstler aufgelistet werden. Zu jeder Kunstepoche wurde exemplarisch ein Künstler gewählt und dessen bevorzugte Farbpalette vorgestellt.

Karten aus dem Kartenset "Malkasten der alten Meister" Midas Verlag

Welche Farben wählte beispielsweise Leonardo da Vinci? Bleiweiß, Rußschwarz/Beinschwarz, Zinnober/Roter Ocker, Gelber Ocker, Grüne Erde, Ultramarin, Grünspan/Malachit.

Zur Aufzählung der Farben erfährst du aber auch noch wofür der Künstler diese Farben wählte, also welche Farben für die Schatten, für Kleidung, Hautfarbe, für Schmuckstücke, dramatische Himmel und Landschaften.

So rücken die großen Künstler der Menschheitsgeschichte ein Stückchen näher an dich heran – absolut faszinierend!

Wer braucht das Kartenset?

Jeder Farbenfan wird seine Freude daran haben! Nicht nur wer beruflich oder hobbymäßig malt und zeichnet, profitiert davon, sondern auch Designer, Modefachleute und alle, die kreative Inspiration brauchen.

Wir haben hier keinen dicken Kunstschmöker, der Laien und Einsteiger vielleicht abschreckt, sondern eine leicht zugängliches, „ergreifbares“ Werk, das die Scheu vor der alten Kunst nimmt und sie spielerisch in die Gegenwart holt.

Die Idee auf einer Seite der Karten den Farbton selbst, seine Herstellung und historische Verwendung darzustellen (plus fotografische Abbildung eines Farbtopfes) und auf der anderen Seite exemplarisch für diesen Farbton ein altes imposantes Kunstwerk, ist sehr anschaulich und inspirierend.

Ob man sich erst mit den Farbseiten beschäftigt und sich dann ganz nach Belieben  mit einzelnen Farbtönen und Farbabstufungen oder ob man die Karten erst nach den alten Gemälde betrachtet, bleibt einem selbst überlassen.

Ein solches Set ist sicher auch eine gute Anschaffung für den Kunstunterricht in Schulen. Man könnte den Schülern in Gruppen einzelne Farben zuweisen, mit denen sie sich dann intensiv beschäftigen, eigene Werke herstellen und kleine Referate halten.

Das 52-teilige Kartenset ist ideal für alle, die vor alter Kunst bislang eine gewisse Scheu gezeigt haben und die zu der Düsternis alter Werke und den früheren Techniken keinen Zugang finden konnten.

 

Kelly Grovier

Malkasten der Meister
52 Farbkarten mit Booklet

52 Seiten, Hardcover, Euro (D) 25 | Euro (A) 25.70 | CHF 35
ISBN 978-3-03876-350-5 (Midas Collection)

Rezension: Malkasten der Meister. Farbkartenset vom Midas Verlag

 

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