Rezension „Ar-Ar und Bobo“ von Röckl und SAID, Kunstanstifter Verlag

Der Bildband mit Text von Christina Röckl & SAID „Ar-Ar und Bobo“ ist ein ungewöhnliches, surrealistisches Werk für Erwachsene, in das man sich erst hineinarbeiten muss oder darf.

Eine kleine Denkaufgabe für Kunstfans – auch das dürfen solche Bildbände sein! Beim ersten Lesen lässt der Band einen reichlich irritiert zurück, aber man fängt an über den Sinn und die Gestaltung nachzudenken. Und genau das ist ja der Sinn von Kunst.

Auszug aus dem Text:

Ar-Ar wacht auf und schlägt sich mit den Hufen gegen die Brust.
»Heute will ich ein Buch lesen.«
Bobo nimmt die Brille ab.
»Bücher sind nicht gut für Esel.«
»Wieso sind sie gut für dich?«
Die Krähe plustert sich auf.
»Ich kann ja fliegen.«
»Vielleicht kann ich auch fliegen, wenn ich ein Buch gelesen habe.«

Es geht inhaltlich um einen Esel, der sich nicht von Konventionen begrenzen lassen will.

(Ar-Ar und Bobo ist auch als limitierte Sonderedition von 50 Exemplaren erhältlich und beinhaltet neben dem signierten Buch einen speziell hierfür angefertigten Linoldruck der Künstlerin.
Preis: € 65 (D))

– Ar-ar und Bobo ist auf der Longlist der Stiftung Buchkunst 2022.

Illustration aus „Ar-Ar und Bobo“ von Röckl und Said, Kunstanstifter Verlag

Die Illustratorin Christina Röckl:

Christina Röckl ist eine gefeierte Illustratorin, die ganz neue Wege geht. Ihr Debüt «Und dann platzt der Kopf», ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis , gewann auch den Publikumspreis der Frankfurter Buchmesse und wurde für den Nachwuchspreis Illustration «Serafina» nominiert.

Der Autor SAID:

SAID, geb. 1947 in Teheran (Iran), gest. 2021 in München. Er studierte ab 1965 Politikwissenschaft in München. Er lebte als Schriftsteller, Dichter und Literaturvermittler in Deutschland, von wo aus er sich politisch-demokratisch engagierte. Seine Werke sind deutschsprachig und bestehen aus Lyrik, Prosa, Kinderbüchern. Sie handeln von Liebe, Sehnsucht und Heimat. Der Autor wurde mehrfach ausgezeichnet.

Illustration aus „Ar-Ar und Bobo“ von Röckl und Said, Kunstanstifter Verlag

Der „sture“ Esel und wie er seine Ziele erreicht

Kurz zusammengefasst, kann man den Inhalt so verstehen, dass der Esel seine scheinbar naturgegebenen Grenzen nicht akzeptiert und so das bekommt, was er will. Zuerst fängt er an zu lesen, was ihm nicht zusteht, dann sucht er sich seine Traumfrau, die er auch bekommt.

Die konkrete Handlung ist in einfacher Sprache verfasst und erinnert darin doch wieder einem Kinderbuch. Die Illustrationen sind gänzlich abstrahiert.

Das Buch ist im Kern eine Fabel und stellt eine poetische Parabel über Selbstermächtigung dar. Es geht eigentlich um Fragen, die uns alle bewegen: „Wer darf was? Wer legt dafür die Grenzen fest (eine Krähe)? Darf ich mir mehr wünschen, als man mir zutraut (hier eine Frau mit bestimmten optischen Eigenschaften)?

Die Illustrationen von Christina Röckl bilden aber nicht die Handlung ab, sondern den inneren Zustand des Esels. Seine Welt wird immer lichter und offener, je mehr er sich zutraut. Grenzen und Räume lösen sich auf. Die Farben verändern sich.

Illustration aus „Ar-Ar und Bobo“ von Röckl und Said, Kunstanstifter Verlag

Der Esel ist wirklich sehr „stur“: Seine Wünsche entstehen nicht aus Begründungen, sondern aus einem inneren Impuls. Dass Ar-Ar plötzlich glaubt, vielleicht fliegen zu können, wirkt nicht absurd, sondern folgerichtig innerhalb dieser poetischen Welt. Die Figuren bleiben bewusst einfach, tragen keine ausgearbeiteten Charaktere, sondern Haltungen. Dadurch entsteht Raum für eigene Projektionen.

Für zeichnende Betrachter ist das besonders interessant: Die Bilder verzichten auf klare Konturen zugunsten von Atmosphäre. Formen sind nur angedeutet, Übergänge weich, fast fließend. Farbe wird zum eigentlichen Bedeutungsträger. Sie beschreibt keinen Gegenstand, sondern einen Zustand.

Leseprobe

 

Buchcover Ar-Ar und Bobo Kunstanstifter

ISBN: 978-3-948743-11-6
Format: 140 x 210 mm
Umfang: 44 Seiten
ET: 15.03.2022
Preis: 24 € (D) / 24,70 € (A)

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