Heute wachsen Kinder in einer Welt auf, die von Bildschirmen dominiert wird. Tablets, Smartphones, Streamingdienste und Spielekonsolen überall. Das aktive, schöpferische Tun als Gegenpol wird immer wichtiger.
Malen, Basteln, Bauen, Formen, Experimentieren – all das sind keine bloßen Freizeitbeschäftigungen. Es sind Erfahrungs- und Entwicklungsräume für Kinder, essenziell für eine gesunde Entwicklung.
Wenn alles vorgegeben ist, wie bei Filmen und Spielen, finden viele Prozesse im Gehirn und Körper gar nicht statt. Oft vergessen Erwachsene, dass die kindliche Psyche, die Sinne und der Körper nicht funktionieren wie bei ausgereiften Menschen.
Wir Erwachsenen finden es entspannend, wenn wir nicht selber aktiv werden müssen, uns berieseln lassen, aber für Kinder ist das absolut unnatürlich. Wer sich an die eigene Kindheit erinnert weiß noch: Rausgehen, aktiv die Gegend erkunden, bewegen, war angesagt.
Kreativität ist kein Luxus
Wenn ein Kind malt, entsteht mehr als ein Bild. Es verarbeitet Erlebnisse, entdeckt Farben, übt Feinmotorik, trifft Entscheidungen und kommt zur Ruhe. Beim Basteln werden Problemlösungsfähigkeiten geschult. Beim freien Spiel entstehen Geschichten, Rollen, Fantasiewelten – innere Landschaften, die kein Algorithmus vorgeben kann.
Aktives Gestalten fördert:
- Konzentrationsfähigkeit
- Selbstwirksamkeit
- Frustrationstoleranz
- Fantasie und Ausdruckskraft
- emotionale Stabilität
Während digitale Inhalte meist konsumiert werden, fordert kreatives Tun mehr Beteiligung. Das Kind wird vom Zuschauer und Reagierer zum Gestalter.
Die stille Konkurrenz der Bildschirme
Bildschirme sind schnell, bunt und stimulierend. Sie liefern sofortige Reize und Belohnung. Kreative Prozesse dagegen sind langsamer. Sie brauchen Zeit, manchmal Geduld – und gelegentlich auch Langeweile.
Gerade diese vermeintliche „Lücke“ ist jedoch wertvoll. Aus Momenten ohne Input entstehen Ideen. Aus freiem Spiel wächst Selbstständigkeit. Kinder lernen, sich selbst zu beschäftigen, wenn man sie lässt – eine Fähigkeit, die im späteren Leben kaum hoch genug eingeschätzt werden kann.
Vielfalt schafft Freiraum
Für Eltern bedeutet das: Es lohnt sich, ein breites Angebot an analogen Spiel- und Gestaltungsmöglichkeiten bereitzuhalten. Unterschiedliche Materialien wecken unterschiedliche Interessen. Manche Kinder greifen zu Stiften, andere zu Ton, Bauklötzen oder Bastelsets.
Wichtig ist nicht Perfektion, sondern die Zugänglichkeit. Materialien sollten sichtbar, erreichbar und ohne großen Aufwand nutzbar sein. Eine kleine Kreativecke genügt oft schon, um Impulse zu setzen. Das Material sollte „appetitlich“ angeordnet sein. Bunte Stifte, gut sortiert, buntes Papier. All das kann vom Bildschirm weglocken.
Beziehung statt Dauerbeschäftigung
Kreatives Spielen ist übrigens keine pädagogische Pflichtübung. Es geht nicht darum, den Alltag lückenlos zu strukturieren oder Kinder ständig „sinnvoll“ zu beschäftigen. Vielmehr geht es um Räume und Möglichkeiten.
Manchmal reicht es, gemeinsam neue Farben auszuprobieren. Manchmal genügt es, Materialien bereitzustellen und sich dann bewusst zurückzunehmen. Kinder brauchen keine perfekte Anleitung wie in der Schule. Sie blühen oft richtig auf, wenn man ihnen nur etwas hinstellt.

Lieber echte Sinneserfahrungen als immer nur Bildschirm
In einer zunehmend digitalen Welt werden analoge Erfahrungen immer kostbarer. Der Geruch von Papier. Die Haptik von Holz. Das Gefühl von Farbe auf der Haut. Das leise Rascheln beim Ausschneiden. All das sind sinnliche Eindrücke, die sich tief verankern. Das sind Dinge, an die man sich immer erinnert, aber weniger an Eindrücke beim Spielen am Bildschirm.