Skizzenbücher kaufen – welche sind gut und gehen auch die günstigen? Unsere beiden Künstlerseelen haben da komplett verschiedene Meinungen.
Was macht die Papierqualität mit deiner Kunst?
Richard: (hält ein edles, ledergebundenes Buch mit handgeschöpftem, schwerem Papier in den Händen, fast ehrfürchtig) „Bea, fass das mal an. 300g Baumwollpapier, säurefrei, kaltgepresst. Ein Skizzenbuch für 50 Euro ist kein Luxus, es ist eine Notwendigkeit. Wenn du auf minderwertigem Papier malst, kämpfst du gegen das Material, statt mit ihm zu arbeiten. Die Farben leuchten hier ganz anders, und das Papier verzieht sich nicht bei der kleinsten Feuchtigkeit. Es ist eine Wertschätzung deiner eigenen Arbeit.„
Bea: (kramt ein zerknittertes Stück Papier und eine Serviette aus ihrer Tasche, auf der eine erstaunlich gute Skizze eines Hundes zu sehen ist) „50 Euro? Richard, dafür kaufe ich mir fünf neue Stiftsets! Wenn ich so ein teures Buch vor mir hätte, würde ich mich gar nicht trauen, den ersten Strich zu machen. Ich hätte Angst, die Seite zu „verhunzen“. Auf dieser Serviette hier war ich völlig frei. Wenn es schiefgeht? Ab in den Müll! Aber genau deshalb ist die Skizze so locker geworden. Dein Luxus-Buch würde mich total blockieren.„
Richard: „Genau das ist dein Problem, Bea. Du bleibst im Provisorischen hängen. Wer auf Servietten zeichnet, signalisiert seinem Unterbewusstsein: „Das hier ist egal.“ Wenn du aber auf dieses Papier zeichnest, nimmst du dich selbst ernst. Du überlegst dir den Strich genauer. Das Material zwingt dich zu einer höheren Qualität. Ein billiges Skizzenbuch verzeiht zwar alles, aber es belohnt dich auch nicht mit der Brillanz, die ein echtes Kunstwerk verdient.„
Bea: „Ich finde das total einschüchternd. Kunst sollte überall passieren dürfen – im Bus, im Café, auf der Rückseite einer Rechnung. Wenn ich erst das „heilige Buch“ auspacken muss, ist der Moment doch schon vorbei. Ich liebe meine günstigen Notizbücher. Da kann ich 100 Seiten vollgekritzeln und am Ende sind vielleicht drei Perlen dabei. Bei deinem 50-Euro-Buch kostet jedes „Versagen“ fünf Euro pro Seite. Wer kann denn so entspannt kreativ sein?„
Richard: „Es geht nicht um „Versagen“, es geht um Disziplin. Ein Profi-Skizzenbuch ist wie eine Bühne. Man bereitet sich vor, man liefert ab. Außerdem: Was ist mit der Langlebigkeit? Deine Servietten zerfallen in fünf Jahren zu Staub. Meine Skizzen in diesem Buch werden noch in hundert Jahren so frisch aussehen wie heute. Es ist ein Archiv deiner Entwicklung.„
Bea: „Mein Archiv ist mein Chaos! Und weißt du was? Die besten Ideen kommen mir, wenn ich eben nicht das Gefühl habe, ein Museumsstück produzieren zu müssen. Ich bleibe bei meinem „Billig-Papier“ – das spart Geld und Nerven!„
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Der Fakten-Check: Teures Papier vs. Günstiges Skizzenbuch
Auf welcher Seite stehst du? Hier kommt unser Fakten-Check:
Warum Richards „Luxus-Papier“ Sinn macht:
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Saugfähigkeit: Hochwertiges Papier (oft mit Baumwollanteil) nimmt Wasser und Pigmente gleichmäßig auf. Die Farben „bluten“ nicht aus und bilden keine hässlichen Ränder.
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Radierfestigkeit: Billiges Papier fasert sofort auf, wenn man mal kräftiger radiert. Profi-Papier hält das problemlos aus.
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Leuchtkraft: Auf billigem, holzhaltigem Papier werden Farben oft „geschluckt“ und wirken nach dem Trocknen grau und stumpf. Profi-Papier bewahrt die Brillanz.
Warum Beas „Billig-Variante“ oft die bessere Wahl ist:
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Die psychologische Freiheit: Die Angst vor der „teuren, weißen Seite“ ist real. Günstiges Papier senkt die Hemmschwelle massiv und fördert das tägliche Üben.
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Menge schlägt Qualität (am Anfang): Um besser zu werden, muss man viel zeichnen. 500 Skizzen auf Kopierpapier bringen einen Anfänger oft weiter als 5 mühsame Versuche im Luxus-Album.
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Stifte-Check: Für Bleistift, Kugelschreiber oder einfache Filzstifte braucht man kein 300g-Aquarellpapier. Da reicht ein einfaches Skizzenheft völlig aus.
Unser Fazit: Nutze Beas günstiges Papier für das tägliche „Training“ und die schnellen Ideen. Reserviere dir ein hochwertigeres Buch für Projekte, bei denen du mit Aquarell oder vielen Schichten arbeitest. So nimmst du den Druck raus, lieferst aber Qualität, wenn es darauf ankommt.