Kaum ein Thema spaltet aktuell die Welt der Künstler so sehr wie die KI. Sollte man KI-Bilder als Vorlage für eigene Werke nehmen? Bea und Richard haben dazu komplett unterschiedliche Meinungen.
Bea: (starrt fasziniert auf ihr Tablet) „Richard, komm mal her! Das musst du sehen. Ich habe einer KI nur drei Begriffe eingegeben: „Aquarell, schwebende Gärten, im Stil von Monet“. In fünf Sekunden hat sie mir dieses Bild ausgespuckt. Schau dir diese Lichtstimmung an! Ich werde das jetzt als Vorlage nehmen und versuchen, es mit meinen Pinseln nachzumalen. Das ist wie ein unendlicher Vorrat an Inspiration!„
Richard: (bleibt in sicherem Abstand stehen, als wäre das Tablet radioaktiv) „Inspiration? Bea, das ist kein Funke Inspiration, das ist Diebstahl in Lichtgeschwindigkeit. Diese Maschine hat Millionen von Werken echter Künstler „gefressen“, die Jahrzehnte an ihrem Stil gearbeitet haben, und würfelt sie jetzt lieblos neu zusammen. Wenn du das als Vorlage nimmst, kopierst du einen seelenlosen Durchschnitt aus dem Internet. Wo bleibt dein eigener Blick auf die Welt?„
Bea: „Oh, komm schon! Früher haben Künstler Skizzenbücher von anderen studiert oder Fotos als Vorlage genutzt. Die KI ist für mich nur ein moderner Fotoapparat für meine Fantasie. Ich könnte niemals so schnell eine Komposition entwerfen, die mich so sehr zum Malen motiviert. Es hilft mir, über meine üblichen Motive hinauszudenken. Ich male es doch trotzdem mit meiner eigenen Hand!„
Richard: „Das ist der Trugschluss. Du lässt dir die wichtigste Arbeit abnehmen: das Ringen um die Idee. Kunst entsteht im Kopf, im Scheitern, im Suchen nach der richtigen Komposition. Wenn du dir das Ergebnis von einem Algorithmus servieren lässt, bist du nur noch der ausführende Arm einer Rechenoperation. Du lernst nicht mehr, wie man ein Bild aufbaut, weil die KI dir die Antwort schon gegeben hat. Es ist Fast-Food-Kreativität.„
Bea: „Du bist so dramatisch. Ich nutze es als Sprungbrett! Manchmal weiß ich einfach nicht, was ich malen soll. Die KI gibt mir einen Schubs. Und schau dir die Farben an – darauf wäre ich nie gekommen. Ich finde, es ist ein Werkzeug wie jeder Pinsel auch. Warum sollte ich mich mit einer Blockade quälen, wenn ich mir eine Muse auf Knopfdruck holen kann?„
Richard: „Weil die Qual dazugehört, Bea! Ohne den Widerstand gibt es kein echtes Wachstum. Wenn jeder nur noch KI-Bilder abmalt, sieht bald alles gleich aus – ein perfekter, glatter Brei ohne Ecken und Kanten. Echte Kunst ist menschlich, weil sie Fehler macht. Die KI macht keine Fehler, sie macht nur Statistik. Willst du wirklich eine Kopistin von Statistiken sein?„
Bea: (trotzig) „Ich will einfach nur malen und Spaß haben! Und wenn mir die KI hilft, ein Bild zu erschaffen, das ich liebe, dann ist mir Richards „Statistik“ völlig egal. Ich schnappe mir jetzt meine Pinsel und fange mit den schwebenden Gärten an!„
Der Fakten-Check: KI als Malvorlage – Was du wissen solltest
Ob man es liebt oder hasst: KI-Tools wie Midjourney oder DALL-E sind in der Kunstwelt angekommen. Hier ist die sachliche Einordnung für dein Atelier:
Die Vorteile: Warum es als Sprungbrett dient
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Überwindung des „Weißen Blattes“: Wenn die Muse streikt, kann ein generiertes Bild den entscheidenden Impuls geben.
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Kompositionen testen: Man kann schnell verschiedene Farbschemata oder Lichtstimmungen ausprobieren, bevor man die erste Farbschicht auf die Leinwand bringt.
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Neue Perspektiven: KIs kombinieren oft Dinge, auf die das menschliche Gehirn nicht sofort kommen würde – das kann den eigenen Horizont erweitern.
Die Schattenseiten: Warum Richard warnt
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Verlust des „künstlerischen Muskels“: Wer nur noch Vorlagen generiert, verlernt, eigene Bildideen aus dem Nichts zu entwickeln.
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Urheberrechtliche Grauzone: Viele KIs wurden mit Daten trainiert, ohne die Urheber zu fragen. Wer KI-Vorlagen nutzt, bewegt sich moralisch (und manchmal rechtlich) in einer schwierigen Zone.
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Der „KI-Look“: Generierte Bilder haben oft eine sehr spezifische, fast zu perfekte Ästhetik. Wer diese nur kopiert, läuft Gefahr, dass die eigenen Bilder seelenlos wirken.
Unser Fazit: Nutze die KI wie ein Gewürz, nicht wie das Hauptgericht. Sie kann eine tolle Hilfe für Farbkombinationen oder grobe Layouts sein. Aber das Herz des Bildes – die Entscheidung, welche Linie wichtig ist und welche Emotion transportiert werden soll – muss immer von dir kommen.