Jeder, der malt, hat sie: Die hilflosen Versuche, die verschlimmbesserten Bilder und alles, wofür man sich schämt. Peinlich, wenn sie jemand findet, oder doch nicht? Archiv der Schande oder Quelle der Inspiration?
Das Lager der misslungenen Bilder: Scheitern als Teil des Prozesses?
Während manche diese „Fehler“ als wertvolle Lektionen sehen, betrachten andere sie als Beweise für mangelnde Disziplin. Heute entdeckt Richard Beas geheimes Lager – und die Diskussion über künstlerische Perfektion erreicht eine ganz neue Ebene.
Richard: (steht mit einer Taschenlampe in einer dunklen Ecke des Ateliers und zieht ein verstaubtes Bündel Leinwände unter einem alten Samtvorhang hervor) „Was… was haben wir denn hier? Bea? Ich wollte eigentlich nur nach dem Ersatz-Fixierspray suchen, aber ich bin auf ein ganzes Museum des Grauens gestoßen!„
Bea: (stürzt herbei, das Gesicht flammend rot) „Richard! Hör auf zu wühlen! Das ist… das ist privat! Das sind nur Skizzen und… Experimente, die nicht so geworden sind, wie ich wollte. Das sollte niemand sehen, schon gar nicht du mit deinem Röntgenblick für Proportionen!„
Richard: (zieht eine Leinwand heraus, auf der ein Porträt mit drei Augen und einem neongrünen Ohr zu sehen ist) „Privat? Bea, das hier ist eine anatomische Straftat! Und schau dir diesen Farbauftrag an – hast du die Farbe mit einem Tortenheber aufgetragen? Warum hebst du das auf? Es nimmt Platz weg und verpestet die kreative Atmosphäre mit dem Duft des Scheiterns. Ich vernichte meine Fehlversuche sofort. Ein Schnitt mit dem Skalpell, und die Leinwand ist Geschichte. Nur das Beste darf existieren.„
Bea: (reißt ihm das Bild aus der Hand) „„Vernichten“? Du bist ja grausam! Das hier war der Tag, an dem ich versucht habe, Emotionen durch Farben auszudrücken, ohne an Linien zu denken. Ja, es sieht furchtbar aus, aber ich sehe darin noch den Moment, als ich es gemalt habe. Diese Bilder sind meine Narben, Richard. Sie zeigen mir, wo ich herkomme und was ich alles ausprobiert habe. Wenn ich nur das Perfekte behalte, vergesse ich den Weg dorthin!„
Richard: „Der Weg ist dazu da, begangen zu werden, nicht um darauf zu zelten! Ein Archiv von Fehlern zieht dich nur runter. Wenn ich dieses Chaos hier sehe, verstehe ich, warum deine Fortschritte manchmal stagnieren. Du bist umgeben von mittelmäßigen Geistern deiner Vergangenheit! Ordnung im Kopf beginnt mit der Entsorgung des Unnötigen.„
Bea: „Und ich finde, deine Sterilität ist feige! Wer keine Fehler macht – oder sie alle sofort verbrennt – der riskiert nie etwas. In diesem Stapel liegen Ideen, die vielleicht in zwei Jahren plötzlich Sinn ergeben. Manchmal ist ein „schlechtes“ Bild nur eine Vorstufe für ein geniales Werk. Aber das verstehst du nicht, weil bei dir jedes Haar am Pinsel eine Dienstanweisung hat!„
Richard: (rückt seine Brille zurecht und deutet auf eine halbfertige Abstraktion) „Ich verstehe sehr wohl. Aber es gibt einen Unterschied zwischen einer Studie und… naja, diesem Haufen. Sollen wir nicht wenigstens die Bilder aussortieren, bei denen der Schimmel bereits eine eigene Zivilisation gründet?„
Bea: (lacht trotzig) „Na gut, die „Schimmel-Zivilisation“ darfst du entsorgen. Aber der Rest bleibt! Das ist mein kreativer Humus. Und jetzt raus aus meiner Ecke, bevor ich dein perfekt sortiertes Pinselregal mit meinen PanPastels „dekoriere“!„

Faktencheck: Wohin mit den „Upps-Momenten“?
1. Warum Aufheben sinnvoll ist (Beas Sicht)
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Fortschrittskontrolle: Nichts motiviert mehr, als ein altes, schlechtes Bild neben ein neues zu legen und zu sehen: „Wow, ich bin besser geworden!“
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Recycling: Leinwände können mit Gesso überstrichen und neu genutzt werden. Die Struktur der alten Farbe kann tolle Effekte im neuen Bild erzeugen.
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Ideenpool: Oft steckt in einem misslungenen Werk ein Detail (eine Farbkombi, ein Lichtreflex), das später die Basis für ein Meisterwerk bildet.
2. Warum Entsorgen befreiend wirkt (Richards Sicht)
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Klarheit: Weniger physischer Ballast führt zu weniger mentalem Ballast.
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Fokus: Man zwingt sich selbst dazu, jedes neue Werk mit 100% Einsatz zu beginnen, statt sich auf alten „Versuchen“ auszuruhen.
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Hygiene & Platz: Staubfänger und Farbreste können im Atelier tatsächlich die Arbeitsqualität mindern.
Unser Fazit: Das „Lager der Schande“ ist menschlich. Ein guter Kompromiss: Einmal im Jahr eine „Bestandsaufnahme“ machen. Was absolut keine Emotion oder Erkenntnis mehr bringt, darf gehen. Was als Lektion dient, darf bleiben – aber vielleicht in einer schönen, geschlossenen Mappe, statt als Staubfänger in der Ecke.
Alte Bilder können wie ein Tagebuch voller Erinnerungen sein.