Sie sind weich, leuchtend und versprechen intensive Farben – Ölpastelle. Doch das Malen mit ihnen kann schnell zur Herausforderung werden. Anders als Ölfarben lassen sie sich nicht unbegrenzt schichten und können bei zu vielen Lagen zu einer undifferenzierten Matscherei führen.
Zwischen der Faszination für die satte Farbe und dem Frust über klebrige Finger und vermischte Töne entfaltet sich das nächste Atelier-Duell zwischen Bea und Richard.
Ölpastelle: Cremige Farbpracht oder klebriges Malheur?
Bea: (hält einen Finger hoch, der mit einem Regenbogen aus schmierigen Pastellresten überzogen ist, während sie frustriert auf ein Bild starrt, auf dem einst leuchtendes Rot und Blau nun ein undefinierbares Braun-Grau bilden) „Ugh! Ich verstehe das nicht! Erst war es so toll! Diese cremige Farbe, so intensiv! Aber kaum habe ich ein paar Schichten mehr aufgetragen, wird alles zu Matsch! Mein wunderschönes blaues Auto sieht jetzt aus wie ein dreckiger Stein! Und meine Finger… die sind total verklebt!„
Richard: (mustert Bea und ihr Bild mit einem Blick, der Mitleid und eine Prise „Ich hab’s ja gewusst“ vermischt) „Ah, die Freuden des Ölpastells. Bea, das ist kein Medium für die ungeduldige Schichterei. Ölpastelle sind Pigmente mit einem Öl-Wachs-Binder. Sie sind dazu gedacht, direkt und expressiv eingesetzt zu werden. Jede neue Schicht löst die darunterliegende leicht an. Trägst du zu viele Farben übereinander auf, entsteht das, was du so treffend als „hilflose Matscherei“ bezeichnest: eine undefinierbare, schlammige Mischung aus allem.„
Bea: „Aber ich wollte doch Tiefe! Ich dachte, ich könnte immer wieder neue Farben drüberlegen, so wie bei Ölfarben! Diese hier sind so weich, ich dachte, das wäre leicht! Und wie soll ich denn überhaupt präzise malen, wenn ich nur so klobige Stifte habe und die Farbe überall verschmiert? Das ist doch ein einziger Fleck!„
Richard: „Ölfarben trocknen durch Oxidation und bilden Schichten. Ölpastelle bleiben plastisch und vermischen sich. Du musst mit den Materialeigenschaften arbeiten, nicht gegen sie. Für Präzision sind Ölpastelle das denkbar schlechteste Medium. Sie sind für gestische, expressive Arbeiten gedacht, für schnelle Skizzen, für das Einfangen von Texturen und für satte Farbakzente. Man muss sparsam und gezielt schichten. Die „Sättigungsgrenze“ ist bei Ölpastellen schnell erreicht.„
Bea: „Und was mache ich gegen die dreckigen Finger? Ich sehe aus, als hätte ich in einen Farbtopf gegriffen! Das ist doch total unpraktisch. Ich kann damit ja kaum mein Handy bedienen, ohne überall Spuren zu hinterlassen. Und der Staub… das Zeug krümelt ja auch.„
Richard: (nimmt ein Wattestäbchen und demonstriert vorsichtig, wie man feine Linien oder Akzente setzen kann) „Dafür gibt es Hilfsmittel, Bea. Wattestäbchen, Paper-Stumps oder die Kante eines Radiergummis können helfen, kleine Details zu ziehen oder Farben zu mischen, ohne dass die Finger leiden. Und ja, Ölpastelle sind ein „schmutziges“ Medium – das gehört dazu. Es ist die unmittelbare Verbindung zur Farbe. Aber es erfordert Disziplin im Farbauftrag und ein Verständnis dafür, wann man aufhören muss. Weniger ist hier oft mehr.„
Bea: „Du meinst, ich muss lernen, mich zurückzuhalten, bevor alles zu einer grauen Pampe wird? Das ist ja wie ein Test für meine Geduld! Ich wollte doch nur schöne, leuchtende Farben für meine Blumen malen… jetzt habe ich nur eine braune Wiese.„
Richard: (schmunzelt) „Exakt. Ölpastelle sind ein Lehrmeister in der Kunst des Verzichts und der gezielten Setzung. Aber wenn du ihre Sprache sprichst, können sie eine unglaublich lebendige Leuchtkraft entwickeln. Gib nicht auf, experimentiere mit weniger Druck, weniger Schichten und lass die Farben für sich sprechen. Und halte immer ein Papiertuch bereit.„
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Faktencheck: Ölpastelle meistern – Tipps gegen die Matsch-Falle
Auch schon mal die Matscherei probiert? Wir müssen zugeben, es macht sehr viel Spaß und erinnert an die Kindheit als man mit Fingerfarben oder Wachsmalstiften herumhantierte. Dieses haptische Erlebnis muss man sich als Erwachsener ja nicht verweigern.
1. Was sind Ölpastelle?
Ölpastelle bestehen aus Pigmenten, Wachs und Öl. Im Gegensatz zu Softpastellen sind sie wischfester, aber auch klebriger und lassen sich nicht unbegrenzt schichten.
2. Die „Sättigungsgrenze“: Warum das Matsch-Phänomen auftritt
Jede Schicht Ölpastell löst die vorhergehende leicht an. Bei zu vielen Schichten vermischen sich die Pigmente der einzelnen Farben unkontrolliert, was zu trüben, oft bräunlichen oder grauen Tönen führt. Man kann das mit dem Vermischen von zu vielen Wasserfarben vergleichen.
3. Tipps für den Umgang mit Ölpastellen (für Bea & Richard)
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Weniger ist mehr: Beginne mit leichtem Druck und arbeite dich zu intensiveren Farben vor.
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Helle Farben zuerst: Starte mit hellen Farbtönen und lege dunklere Farben darüber. Dunkle Farben überstrahlen Helle leichter und machen sie schlammig.
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Gezieltes Schichten: Beschränke dich auf 2-3 Schichten, um die Leuchtkraft zu erhalten. Nutze Verblender (weißes oder farbloses Ölpastell), um sanfte Übergänge zu schaffen, ohne zu viele neue Farbpigmente hinzuzufügen.
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Hilfsmittel einsetzen: Wattestäbchen, Papiertücher, Papiermischer oder sogar ein Sculpey-Werkzeug können helfen, Details zu bearbeiten und Farben zu mischen, ohne die Finger zu verkleben.
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Untergrund wählen: Dickeres Papier oder spezielles Pastellpapier mit leichter Struktur kann helfen, mehr Schichten aufzunehmen, ohne zu „rutschen“.
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Fixieren: Ein gutes Fixierspray ist unerlässlich, um das Bild vor Verwischen zu schützen, obwohl Ölpastelle nie vollständig trocken werden.
Unser Fazit: Ölpastelle sind ein Medium der Spontaneität und Ausdruckskraft, das aber ein gewisses Feingefühl erfordert. Wer ihre Grenzen akzeptiert und mit ihren Eigenschaften arbeitet, wird mit leuchtenden, samtigen Bildern belohnt. Für Richard ist es eine Lektion in unkontrollierter Ästhetik, für Bea ein weiterer Beweis, dass Kunstmaterialien ihre ganz eigenen Launen haben.

Wie vermeidet man das „Einheitsgrau“:
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Helle Farben zuerst: Es ist oft einfacher, von Hell nach Dunkel zu arbeiten. Wenn man mit einer hellen Farbe über eine dunkle geht, nimmt das helle Kreidestück oft die dunklen Pigmente auf und wird „schmutzig“.
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Weniger ist mehr: Nicht sofort zu fest aufdrücken. Wenn die Papierporen erst einmal komplett mit Wachs/Öl verstopft sind, rutschen weitere Schichten nur noch obenauf herum und vermischen sich zu Matsch.
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Saubere Finger/Werkzeuge: Wenn man zum Verblenden die Finger nutzt, sollte man sie ständig an einem feuchten Tuch abwischen. Richard hatte mit seinem Tuch und Wattestäbchen also gar nicht so unrecht!
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Fixativ oder Pausen: Wenn eine Schicht zu instabil wird, kann man sie mit einem speziellen Fixativ für Ölpastelle zwischenfixieren, um eine neue, griffige Ebene zu schaffen.
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Farbkreis beachten: Komplementärfarben (z. B. Blau und Orange oder Rot und Grün) direkt ineinander zu mischen, ergibt fast immer Braun oder Grau. Lieber nebeneinander setzen und nur ganz vorsichtig an den Kanten verblenden.