Ausmalbücher für Erwachsene? Muss das sein? Lernt man was dabei? Im Disput zwischen Bea und Richard verstehst du worum es geht und kannst dir überlegen, ob Ausmalbücher ein gutes Training sind oder nicht.
Bea: (strahlt und schlägt ein dickes, neues Buch auf) „Richard, schau mal! Das neue Buch von Johanna Basford ist da. „Zauberhafte Waldwelten“. Die Linien sind so fein, ich habe schon meine 120er-Box (ja, die günstige!) bereitgestellt. Das wird mein Projekt für das ganze Wochenende. Es ist so entspannend, einfach nur die Farben fließen zu lassen, ohne dass ich mir über die Perspektive den Kopf zerbrechen muss.“
Richard: (rückt seine Brille zurecht und schaut mit hochgezogener Augenbraue auf das Buch) „Ein Ausmalbuch, Bea? Ernsthaft? Das ist kein „Projekt“, das ist Malen nach Vorschrift. Du bist wie eine Mal-Touristin, die sich in einem eingezäunten Park bewegt, damit sie sich ja nicht verläuft. Wo bleibt denn da der eigene Ausdruck? Wo ist die mutige Linie? Du füllst nur die Kästchen aus, die jemand anderes für dich gezeichnet hat.„
Bea: „Ach Richard, du verstehst das nicht. Manchmal will ich gar nicht „mutig“ sein. Nach einem langen Tag will ich einfach nur Farben kombinieren. Und unterschätz das mal nicht! Diese filigranen Blätter mit 3D-Effekt auszumalen, sodass sie plastisch wirken, ist verdammt schwer. Ich versuche gerade, echte Lichtreflexe auf die Beeren zu setzen. Das ist auch Übung!„
Richard: (lacht trocken) „Es ist eine Illusion von Übung. Du lernst vielleicht, innerhalb der Linien zu bleiben – eine Fähigkeit für Erstklässler. Aber du lernst nicht, wie man eine Form im Raum erkennt und sie selbst erschafft. Du bist süchtig nach diesen Büchern, weil sie dir die Angst vor dem weißen Blatt nehmen. Aber genau diese Angst ist es, die einen Künstler wachsen lässt. Wer immer nur fremde Gärten ausmalt, wird nie seinen eigenen Wald pflanzen.„
Bea: „Du bist so ein Snob! Nur weil ich kein Architektur-Studium brauche, um ein Eichhörnchen bunt zu machen? Ich sehe das anders: Diese Bücher sind mein Fitnessstudio für die Hand. Wenn ich hier lerne, wie ich Verläufe von Dunkelgrün zu Hellgelb hinkriege, dann hilft mir das später auch bei meinen eigenen Skizzen. Aber du machst dich ja lieber lustig, während ich hier meine „Art-Therapy“ genieße.„
Richard: „„Fitnessstudio“? Eher wie ein Heimtrainer mit eingebautem Navi. Es fühlt sich nach Bewegung an, aber du kommst nicht vom Fleck. Wenn du wirklich Schattieren lernen willst, dann stell dir einen echten Apfel auf den Tisch und zeichne ihn. Zehnmal. Ohne vorgegebene Linien, die deine Fehler verstecken. Diese Bücher sind wie Fast Food für die Kreativität: Macht schnell satt, bietet aber keine Nährstoffe.„
Bea: „Dann bin ich eben eine glückliche Fast-Food-Malerin! Ich gehe jetzt in meinen Zauberwald und setze Lichtreflexe, von denen dein „echter Apfel“ nur träumen kann. Komm mich besuchen, wenn du mal eine Pause von deinem harten Künstler-Dasein brauchst – ich leih dir auch einen lila Stift!„
Profi-Tipps für Ausmalbücher: So bringst du 3D-Effekte in deine Bilder
Auch wenn Richard schmunzelt: Ausmalen für Erwachsene ist weit mehr als nur „Kästchen füllen“. Wenn du die Techniken der Profis anwendest, kannst du vorgegebene Linien in plastische Kunstwerke verwandeln. Hier sind drei Techniken, die Bea liebt und Richard (heimlich) respektiert:
1. Die Lichtquelle festlegen (Der 3D-Anker)
Der häufigste Fehler beim Ausmalen ist, alles gleichmäßig bunt zu machen. Das wirkt flach.
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Tipp: Stell dir vor, eine kleine Taschenlampe würde von rechts oben auf deine Seite scheinen.
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Die Umsetzung: Alle Flächen, die der „Lampe“ zugewandt sind, bleiben hell (oder sogar weiß). Die gegenüberliegenden Seiten werden dunkler schattiert. Sofort wirkt dein Bild dreidimensional.
2. Layering & Blending (Farbtiefe ohne Kanten)
Richard hat recht: Billige Stifte stoßen hier oft an Grenzen, aber mit Geduld geht es trotzdem.
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Layering: Drücke nicht sofort fest auf! Trage die Farbe in mehreren, hauchzarten Schichten auf. So kannst du Farben mischen (z. B. ein dunkles Blau in ein Grün schattieren), ohne dass unschöne Striche entstehen.
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Blending: Nutze einen weißen Buntstift oder einen speziellen „Blender“, um die Pigmente in den Übergängen miteinander zu verreiben. Das gibt diesen „gemalten“ Look, bei dem man die Stiftstriche nicht mehr sieht.
3. Kontraste wagen (Komplementärfarben)
Bea liebt bunte Bilder, aber Plastizität entsteht durch Kontrast.
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Tipp: Wenn du eine rote Blüte ausmalst, nutze für die tiefsten Schatten kein Schwarz (das macht die Farbe schmutzig!), sondern ein dunkles Grün oder ein tiefes Blau. Diese Komplementärkontraste lassen die Hauptfarbe erst richtig leuchten.
Warum Ausmalen trotzdem „echtes“ Training ist
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass das Ausmalen das Gehirn in einen Zustand versetzt, der der Meditation ähnelt. Aber auch künstlerisch hilft es:
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Feinmotorik: Man lernt die Druckkontrolle des Stifts.
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Farbtheorie: Man probiert Farbkombinationen aus, ohne Angst haben zu müssen, das Motiv zu ruinieren.
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Geduld: Ein komplexes Ausmalbild braucht Stunden – eine super Übung für Richards „Dranbleiben“.
Beas Tipp: „Fang einfach an! Wenn ein Blatt misslingt, ist es nur eine Seite in einem Buch. Die Welt geht nicht unter – aber dein Stresslevel sinkt.“
Was denkst du jetzt selbst darüber? Du kannst das Thema nicht beurteilen, wenn du nicht mal versuchst hast, ein Ausmalbuch im Erwachsenenstil zu nutzen, also nicht flächig ausmalen, sondern Tiefe in die Bilder zu bekommen. Um das mal auszuprobieren, brauchst du dir kein Buch zu kaufen, sondern kannst auch online kostenlose Bilder nutzen.
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