Was, wenn ich mich entziehe ist ein 44‑seitiges, voll illustriertes Buch, erschienen im kunstanstifter Verlag. Heinz Janischs Texte bewegen sich in einem Feld lyrischer Reflexion über Rückzug, Stille und innere Präsenz, getragen von den subtilen, teils entrückten Illustrationen von Nicole Vögeli.
Heinz Janisch, Autor zahlreicher Kinder- und Jugendbücher, lebt in Wien und im Burgenland. Nicole Vögeli arbeitet als freischaffende Illustratorin in Zürich und studierte visuelle Kommunikation an der Hochschule Luzern.
Florian Albrecht war für die Buchgestaltung verantwortlich und ist Grüner von „F.F. Albrecht Atelier für graphische Anliegen“ in Bern. Seine Arbeiten bestechen durch Einfachheit und den spielerischen Umgang mit Illustrationen und Typographie.
„Was ist, wenn ich mich entziehe ? Bleibst du dann in meiner Nähe?“
So lautet der Titel des Bilderbuches mit wenig Text für Leser ab 14 Jahren. Der Titel sagt schon sehr viel und in diesem Kontext kann man die Illustrationen gut verstehen.
Es geht darum, dass wir alle permanent online sind, von negativen Nachrichten überspült oder von Oberflächlichkeiten, von Pflichten und Terminen gehetzt sind. Das Buch will dazu einladen, sich aus der Hektik auszuklinken.
Die Illustrationen stellen eine Sehnsucht nach Einkehr und Abgeschiedenheit dar und zwar inmitten unseres modernen Lebens. Dargestellt werden nämlich nicht sogenannte Sehnsuchtsorte, also exotische Inseln und schöne Landschaften, sondern das urbane moderne Leben.

Der Text fordert Aufmerksamkeit und lädt zur Reflexion ein – klassische Handlungslinien oder eindeutige Auflösungen gibt es nicht. Die Illustrationen ergänzen den Text, wirken im Druck jedoch anders als in Online-Vorschauen.
Ich schlage für ein noch besseres Verständnis vor, sich auch die Online-Version anzuschauen, wie hier die abgebildeten im Artikel. Wer die Illustrationen auch digital betrachtet, kann die Gesamtwirkung oft besser nachvollziehen.
Insgesamt ist „Was, wenn ich mich entziehe“ ein stilles, nachdenkliches Buch, das eher Fragen aufwirft als Antworten liefert. Es spricht Leser:innen an, die sich auf lyrische Texte und subtile Bildwelten einlassen möchten.

Die fragmentierte Sprache wird durch die minimalistischen Illustrationen ergänzt. Leser:innen, die eindeutige Botschaften, eine klare Führung im Buch erwarten, werden eher verwirrt sein. Das Buch fordert Aufmerksamkeit, Geduld und Bereitschaft zur Reflexion ein.

Die großen Farbflächen, Motive, die man zunächst nicht erkennt, versteckte Figuren – all das lädt zum Innehalten und Überlegen ein.
Man darf wie im Kunstmuseum vor einem modernen Werk stehenbleiben und erst mal nachdenken: Was soll das? Was will mir das sagen? Und das ist bekanntlich die Hauptaufgabe von Kunst.
Die Stimmung der Texte erinnert sehr an das Lied der Band Karat „Über sieben Brücken“ mit der Passage:
„Manchmal scheint die Uhr des Lebens still zu stehn
Manchmal scheint man immer nur im Kreis zu gehen
Manchmal ist man wie von Fernweh krank
Manchmal sitzt man still auf einer Bank
Manchmal greift man nach der ganzen Welt.“
Die Texte hier geben eine sehr ähnliche Stimmung wider. Es geht um eine bestimmte Atmosphäre und innere Bewegung.
„Manchmal will ich gar nicht allein sein. Ich will nur nicht reden müssen.“ Dieses Zitat ziert die Rückseite des Bildbandes.
Der Leser wird eingeladen, sich mit dem Thema Abgrenzung, Rückzug, Innenschau auseinander zu setzen.

Insgesamt ist „Was wenn ich mich entziehe“ kein Buch, das sich aufdrängt oder schnell konsumieren lässt. Es richtet sich eher an Leser:innen, die leise Texte schätzen und sich auf eine nachdenkliche, stellenweise sperrige Lektüre einlassen wollen.

Nicole Vögeli: »Ich arbeite hauptsächlich digital und lasse mich für meine Bilder vom Alltagsleben inspirieren. Daraus entsteht mein Illustrationsstil, bei dem ich digitale Illustrationen mit analogen Texturen mixe.«
ISBN: 978-3-948743-44-4
Format: 180 x 270 mm
Umfang: 44 Seiten
ET: 29.01.2026
Preis: 26 € (D)/ 26,80 € (A)
